Konkurrenz für Barbie: Lammily, die Durchschnittspuppe

Das Photoshop-Projekt „Normal Barbie“ von Nickolay Lamm wird in die Tat umgesetzt. Er entwickelte eine Puppe mit realen Körpermaßen und wenig Make-up, die ein positives Körperbild vermitteln soll. Sie heisst „Lammily“. Durch eine Crowdfunding-Kampagne erreichte er sein Ziel, 95.000 Dollar einzunehmen in nur einem Tag.

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Foto: Lamm

In ein paar Tagen endet Nickolay Lamms Crowdfunding-Kampagne Lammily – Average is Beautiful, mit der er Gelder zur Herstellung einer Puppe sammelt. Lammily hat im Gegensatz zu Barbie realistische Körpermaße, die einer durchschnittlichen 19jährigen Amerikanerin entsprechen und nach Daten von der US-Gesundheitsbehörde CDC erstellt wurden.

Der Designer Lamm beschäftigt sich mit künstlerischen Projekten rund um das Körperbild und verfolgt seit Jahren die Kritik am magersüchtigen Schönheitsideal, das Barbie vermittelt. Die Lammily-Puppe entwickelte er nach und nach, zuerst nur als Computerbild. Das Photoshop-Projekt „Normal Barbie“ visualisiert, wie eine Barbiepuppe mit realistischen Körpermaßen aussehen würde. Daraufhin wurde er von vielen Leuten gefragt, wo man so eine Puppe kaufen könne. Was ihn schließlich dazu inspirierte, die Idee in die Tat umzusetzen. Er entwickelte den Prototypen einer echten Plastikpuppe.

Die Unterschiede zu Barbie sind dramatisch: Sie hat kürzere und dickere Beine, breitere Hüften und Po, kräftigere Schultern und „flache“ lange Füße. Wenn Barbie real wäre, könnte sie ihr Gewicht des eigenen Kopfes nicht halten und könnte nicht stehen, weil die Füße zu klein wären. Die aus Durchschnittsmaßen basierende Puppe hat keine verzerrten, utopischen Körpermaße, sondern sieht auf realistische Weise schick, stark, sportlich und gesund aus. Sie hat braune lange Haare, braune Augen und trägt dezentes Make-up, nicht die türkisblauen Balken wie Barbie. Nebeneinander gestellt erscheint die Barbie wie die ältere Glamour-Schwester.

Foto: Nickolay Lamm
Foto: Lamm

Mithilfe der Internetkampagne sammelt Lamm nun Geld, um aus dem digitalen 3D-Prototypen von Lammily eine physische Figur zu produzieren. Bei der Suche nach geeigneten Herstellern berät ihn Robert Rambeau, der früher als Herstellungsleiter bei Mattel arbeitete. Bis jetzt sind schon über 13.500 Vorbestellungen im Wert von fast 500.000 Dollar eingegangen – fünfmal soviel wie er gebraucht hätte, um die Kosten für die Herstellung und Mindestabnahme zu decken.

Die Nachfrage ist riesig. Vermutlich sind es vor allem genervte Mütter, die ihre Kinder schützen wollen und nicht möchten, dass sie sich die magersüchtige, tussige Barbie zum Vorbild nehmen.
Im November werden die ersten Puppen ausgeliefert. Werden die Kinder Lammily annehmen? Oder wird dann in den Kinderzimmern Diät und „extrem schön” nachgespielt? Entbrennt Streit, wer mit welcher Puppe spielen darf? In welchen Haushalten werden wir sie finden?

Wahrscheinlich werden die Kinder Lammily mögen. Vielen sind genormte Körpermaße eh egal, sie spielen auch mit dicken Babypuppen, Teddies, an denen die Katze dran war oder mit Reis befüllten Fröschen, die über Nacht auf dem Balkon in den Regen gekommen sind, um dann aufzuquellen und aus den Nähten zu platzen. Eine nicht-repräsentative Umfrage im Töchterumkreis ergab jedoch ein zwiespältiges Feedback:

„Ich find’ die doof. Die ist zu dick, hässlich und hat einen zu kurzen Hals. Ich mag lieber Barbie.“ (Leila, 9 Jahre)

„Ich find’ die gut, weil wir Kinder haben auch kein Make-up und sind nicht so dünn wie Barbie. Außerdem tragen wir keine Klackerschuhe, unsere Füße sind so flach wie bei Lammily. Die sieht so aus wie wir. Ich will auch eine haben.“ (Lina, 7 Jahre)

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Foto: Lamm

Wir werden Lammily im Auge behalten. Im November folgt dann der Reality-Check.
Ob auf die Barbie-Konkurrenz auch noch ein Ken-Double folgen wird, hat Lamm im Interview verneint. Jungen und Männer würden ihrem Äußeren nicht so viel Beachtung schenken wie Mädchen und Frauen. Außerdem laste auf den jungen Frauen und ihrem Aussehen ein viel höherer Druck als auf Männern. Das dürfte für die Gegenwart noch zutreffen, aber auch für Männer stehen alle Zeichen auf Wandel.

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